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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Fauler Westen und warum Apple in China produzieren lässt

Beamter

Zuwenig Arbeitszeit | Stefan Bayer / pixelio.de

Einer aktuellen Studie der Weltbank zufolge, wird in Europa zu wenig gearbeitet. Viel weniger als in anderen Regionen der Welt. Weiter: »Die Europäer arbeiten weniger Stunden pro Woche, weniger Wochen pro Jahr und weniger Jahre ihres Lebens als Arbeitnehmer in anderen Regionen der Welt.« Die Geschwindigkeit, in der die Arbeitszeiten in Frankreich, Italien und Spanien seit 1995 reduziert worden seien, sei angesichts der »bescheidenen« Produktivitätsfortschritte in den vergangenen zwei Jahrzehnten »besorgniserregend«. Ebenso müsse Europa im Mindesten die Immigranten besser ausbilden. Rund die Hälfte der Zuwanderer seien minderwertig qualifiziert.

Wir, das heißt wir (West-)Europäer werden uns noch wundern. Nie kannten wir etwas anderes als Wohlstand, Teil der sog. 1. Welt zu sein, zu den technischen Vorreitern zu gehören, Bildung auf hohem Niveau, Humanismus und eine epochale Kultur. Man könnte meinen, es war schon immer so, es ist noch immer so und es bleibt auch so. Doch wer sich in der Geschichte umsieht wird feststellen: Kulturen erleben Auf- und Niedergänge. China vor 1000 Jahren noch Hochkultur, dann quasi 3. Welt, erlebt gerade seine Wiedergeburt. Die arabisch-persische Welt, vor 2000 Jahren eine Hochkultur, heuer, trotz Öl-Reichtum auf niedriger Entwicklungsstufe. Der Westen, sieht man von den Indianervölkern Nordamerikas einmal ab, vor 2000 Jahren nichts als Urwald und Steppe, erlebte die letzten 500 Jahre den Aufstieg zur Hochlultur. Doch es scheint, als stehe er gerade an der Schwelle des Niedergangs. Die Ursachen dazu sind vielfältig: Arroganz, Naivität, Dekadenz, Faulheit, Bevölkerungsschwund und nicht zuletzt Masseneinwanderung bildungsferner Kulturen.

Sind die Europäer einsichtig? Sind sie gewillt, sich zu ändern, gewillt das Ruder herumzureißen?

Ich denke, diese Frage kann mit einem klaren Nein beantwortet werden und ich muss wohl einsehen, dass der mir recht unsympathische Politiker Guido Westerwelle, mit seiner Verlautbarung der »Spätrömischen Dekadenz« nicht ganz unrecht hatte. Es war überdies bezeichnend, dass er dafür viel Schelte ernten musste. Jene Meldung passt ganz gut zu einer Erfahrung, die ich diesbezüglich in den letzten Tagen gemacht habe.

Dieser Tage nämlich, ging eine Nachricht in der Computerszene um. Man erfuhr, warum Apple nicht in den USA, sondern bei der chinesischen Foxconn produzieren lässt. Diesem Umstand entsprechend, müssen Apple und andere Hersteller seit jeher schon viel Kritik seitens der Presse einstecken. Es ist von unmenschlichen Arbeitsbedingungen die Rede. Die Selbstmordrate der Mitarbeiter sei besonders hoch. Fakt dennoch ist, niemand wird gezwungen zu arbeiten und es ist sicherlich auch unstrittig, dass es hier und da Entwicklungspotential bzgl. der Arbeitsbedingungen gibt. Doch hier beginnt bereits die Problematik. Was ist würdig und wo fängt es an unwürdig zu sein? Hier sei die Frage erlaubt, was überhaupt unwürdiger ist: Ggf. hart zu arbeiten oder erst gar keine Arbeit zu haben?

Aber zurück zu Apple. Kurz vor der Massenproduktion des ersten iPhones, stelle der kürzlich verstorbene Steve Jobs fest, dass das Glas seines Prototypen ganz zerkratzt, wenn er ihn zusammen mit seinem Schlüssenbund in der Hosentaasche trägt. Der Perfektionist Jobs wollte an dieser Stelle nachbessern, bevor das iPhone ausgeliefert wird. Trotz dass sich das iPhone kurz vor Verkaufsstart befand, entschied er die Produktion umzustellen, um ein härteres Glas einzusetzen. Jobs war der Meinung, dass die meisten Kunden das iPhone ebenfalls mit ihren Schlüsseln herumtragen würden. Ergo startete Apple eine Anfrage, welche Firmen die Produktion mit dem Spazialglas anbieten können. Laut Apple war in den USA dazu niemand in der Lage. Zwar stamme das Glas selbst aus den USA, doch keiner konnte auch bloß Kapazitäten bereitstellen, um das Glas vor Ort zu schneiden. Apple streckte seine Fühler nach China aus und bekam dort nicht nur die Zusage zur Produktionsübernahme, sondern auch die Produktionszusicherung für 100 000 Exemplare pro Tag, in einem Zeitfenster von nur 96 Stunden. Apple hatte somit nicht nur geringere Produktionskosten, vor allem auch erheblich höhere Flexibilität.

Und so wird munter in China das iPhone und anderes produziert. Der Westen begnügt sich derweil mit erhobenen Zeigefinger auf die bösen »Kapitalisten« und »Ausbeuter« in China zu zeigen. Die Fingererheber sitzen zumeist hinter einem Schreibtisch einer Zeitung oder in der Gewerkschaft. Die potentiellen Werksarbeiter sitzen auf dem Trockenen. Präsident Obama höchstpersönlich ließ anfragen, ob man die Produktion zurück nach Amerika holen könne. Jobs verneinte. Man wolle gute Produkte herstellen und sei nicht dazu da, Amerikas Probleme zu lösen.

Die Reaktion auf diese Nachricht konnte ich an zwei Stellen selbst beobachten. Einmal in einem Webforum einer Macseite und livehaftig in einer Firma für digitale Medien. Das Echo war einhellig negativ. Niemand kam auch nur auf die Idee, die Arbeitseinstellung des verwöhnten Westens zu hinterfragen. Man sitzt im Porzellanhaus und wirft mit Steinen.

Infos:
Weltbank (focus.online)
Apple (heise.online)


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