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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Buchbesprechung Geldsozialismus – Teil 2: Geld, Macht und Schulden

Gold

Goldgeld | Rike / pixelio.de

Im ersten Teil der Buchbesprechung stellte ich den Autor und dessen Schule, die sogenannte Österreichische Schule für Nationalökonomie vor. Ihre Ansichten, Philosophie, Logik; ebenso die geringe Reputation innerhalb der Finanz-, der Politikwelt und Gesellschaft. Nicht weniger versuchte ich ein Bild zu umreißen, wie völlig konträr die sogenannten Austrians zum Mainstream bzgl. zur Misere und deren Ursachen der Finazindustrie oder generell zur Marktwirtschaft und dem Geldwesen stehen. Nun möchte ich etwas in die Details eintauchen und das ein oder andere Kapitel vorstellen. Fangen wir an mit dem Thema Geld.

Money Money Money

Zu Beginn erklärt der Autor wie und warum Geld entstanden ist. Der Grund ist einleuchtend: Vor der Geldzeit war es schwierig, den zwanzigsten Teil einer lebendigen Kuh, gegen eine Holzschubkarre einzutauschen. Also entstand Geld als Tauschmittel. Anfänglich wurde mit gut teilbaren Gütern (etwa Getreide) getauscht, später mit Edelmetallen wie Gold oder Silber. Ein indirektes Tauschmittel also. Erst sehr viel später prägten die Herrscher Münzen und bildeten somit die ersten Monopole. War Geld und die Wahl des Geldes vorher frei, und ebenso am freien Markt entstanden, kamen nun die ersten hoheitlichen Beanspruchungen zum Vorschein, indem die Mächtigen sich das Recht herausnahmen alleinig über das Zahlungsmittel zu bestimmen. Der Grundstein für den Missbrauch war gelegt.

Ursprünglich benutzte man Goldschmiedehäuser, um das Gold oder die Silbermünzen zu verwahren. Da es unpraktisch war, ständig mit den Edelmetallen zu hantieren, wurden die ersten Hinterlegungsscheine an Stelle des Goldes herausgegeben. Wohlgemerkt immer 1:1. Der Kunde musste für die Hinterlegung sogar bezahlen, doch irgendwann merkten die Banken, dass die Kunden das Gold selbst kaum noch zur Hand nahmen und begannen damit, mehr Scheine (Noten) auszugeben als Gold hinterlegt war. Das heute noch gültige Fractional Reserve Banking (Bruchteilreserven) war geboren. So entstanden die heutigen Banken. Wären nun alle Kunden mit ihren Scheinen zur Bank gegangen um die Scheine wieder in das hinterlegte Gold umzutauschen, wäre es nicht möglich gewesen, alle Kunden auszuzahlen. Im eigentlichen Sinne schon Betrug, doch hatte das Prinzip den Vorteil, dass die Banken so zum Anreiz der Hinterlegung stimulierten, indem sie anstatt Geld vom Kunden zu nehmen, ihm Geld auszahlen konnten, also Zinsen und auf der anderen Seite (gegen Geld) Kredite vergeben zu können. Das Geschäftsmodell Bank war geboren.

Trotzdem waren die Scheine noch an das hinterlegte Gold oder Silber gebunden, also eintauschbar. Ebenso waren die Bruchteilreserven sehr groß und nicht mit den heutigen zu vergleichen. Die USA schreibt heute eine Reserve von 10 % vor, die EU bloß noch 2 %. Ebenso gibt es heute keine Bindung mehr ans Edelmetall. Das heißt, dass bei einer Inflation die Hinterlegungsscheine (also unser Geld) bloß soviel wert sind, wie das Papier auf dem sie gedruckt sind. Alles in allem war der damalige Markt mit seinem Geld eine »spontane Institution« und Ordnung, die sich flexibel den Gegebenheiten anpasste. Sie wurde von keiner zentralen Stelle erfunden oder gesteuert, sondern war völlig frei.

Fiat money

Ludwig von Mises unterschied im Jahre 1924 vier Arten von Geld: 1) Basismetall-Münzen, 2) Warengeld, 3) Kreditgeld und 4) fiat money (ungedecktes Papiergeld). Der damals freie Markt wählte ausschließlich das Warengeld, meist in Form von Gold und Silber. Geld ist nämlich eine Ware, kein Zahlungsversprechen, so Baader. Kreditgeld hingegen ist ein Zahlungsversprechen, das nicht erfüllt werden kann, wenn alle Besitzer der Kreditgeld-Zertifikate es zugelich und vollständig erfüllt sehen wollen, denn es ist Geld, das mit weniger als 100 % an Münzreserven gedeckt ist. Fiat money sind Vertrauenszertifikate, die vom Staat zu Geld erklärt werden, aber durch nichts gedeckt sind.

Wenn nun der Staat das zuerst frei am Markt enstandere Geld autorisiere, sei das noch nichts schlimmes, wenn er aber ein Geldmonopol errichte, breche er alle Regeln der Logik des Geld- und Marktwesens. Er unterbinde die Freiheit des Vertragsabschlusses und zerstöre die Feinregulierung der Geldmenge durch Angebot und Nachfrage und somit den Preis. Ebenso sei der Staat niemals frei von Eigennutz, sowohl den eigenen Bürgern, als auch anderen Staaten gegenüber. Geld sei weder Konsum- noch Kapitalgut. Wohlfahrt und Reichtum sei eine Frage der vorhandenen Menge an Gütern, nicht der vorhandenen Geldmenge.

Krankes Geld

Das am Markt entstandene Geld (Goldgeld) war gesundes Geld, das uns vom staatlichen Gewaltmonopol aufgezwungene fiat money und durch nichts gedeckte Papiergeld sei krankes Geld. Wie die Geschichte zeige, sei es jedesmal mit Pauken und Trompeten gescheitert. Absurde Ausmaße nahm das Unheil allerdings erst mit Entstehung der amerikanischen Zentralbank, der Fed, an. Die Fed schuf jene Geldmengen, die zu den »Roaring Twentys« mit nachfolgendem Zusammenbruch führten. Unter dem Goldstandard (also echtem Geld) herrschte in den USA 163 Jahre Preisstabilität und die Kaufkraft des Dollars lag im Jahre 1913, vor Gründung der Fed, sogar um 11 % höher als im Jahre 1776. Seit 1913 jedoch ist sie um 95 % eingebrochen, fast eine Totalzerstörung. Entstanden durch die beliebige und bewußt gesteuerte, deckungslose Geldvermehrung der Fed, also letztendlich vom Staat. 1913 betrug die Geldmenge (nicht der Geldwert) pro Kopf in den USA 210 $, im Jahre 2009 bereits 49.000 $ pro Kopf. Eine Verzweihundertdreisigfachung. Die Kaufkraft sinkt somit immer schneller gen Null. Der Bürger hat zwar mehr Geld in der Tasche, kann sich aber immer weniger damit kaufen.

Geld und Macht

Es gibt nur zwei Arten der Herrschaft: Die mit dem Schwert (oder der Kalaschnikow) und die mit Brot und Spielen (sprich: Bestechung oder Stimmenfang, in der modernen Version namens Wohlfahrtsstaat). Für beide Methoden bedarf es gewaltiger Geldmittel. Und zu Geld kommt man nur auf drei Wegen: arbeiten oder betteln oder rauben. Herrscher wählen stets den dritten Weg: Rauben; entweder mit oder ohne begleitende Erpressung und Gewaltandrohung. Und moderne demokratische Staaten wählen als Herrschaftsinstrument vorzugsweise die Bestechungsversion Brot und Spiele – also den Wohlfahrtsstaat.

Für seinen Hunger an riesigen Geldmengen zu stillen, reichen dem Staat die Steuereinnahmen allein schon lange nicht mehr aus. Also haben die Staaten in den letzten Hundert Jahren über den ganzen Globus verteilt, den Goldstandard abgeschafft und das aus dem Nichts zu schaffende Papiergeld eingeführt. Nicht zufällig erfolgte dies im Westen im Jahre 1913, also unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg. Auch der zweite Weltkrieg wurde mit Unmengen von Papiergeld geführt. Mit echtem Goldgeld, so Baader, wäre das nicht möglich gewesen, allenfalls drei Wochen lang. Ganz einfach darum, weil ein freier Markt und echtes Geld keinen unwirtschaftlichen Krieg über Jahre hätten führen können ohne, quasi immanent, Pleite zu gehen. Der Historiker Martin van Krefeld dazu:

Nun, da den Staaten endlich die beabsichtigte Eroberung des Geldes gelungen war, besaßen sie dank der absoluten Herrschaft über die Wirtschaft die Möglichkeit, sich gegenseitig in bis dahin und seither beispiellosem Ausmaß und mit ebenso beispielloser Erbitterung zu bekämpfen. Zentrale Planung und zentrale Kontrolle in mehr oder weniger großem Umfang ermöglichten es, dass Hunderttausende von Panzern und Flugzeugen von den Fließbändern direkt in die Schlacht rollten.

Die Herrschaftsmechanismen nähmen aber in der modernen Massendemokratie bisweilen sehr subtile und schwer durchschaubare Formen an. Die Prinzipien aber seien immer die gleichen, da der Mensch als Wesen immer den gleichen Verhaltensmustern und Trieben erlegen ist. Auch die Methoden der Machtergreifung seien immer die selben, wenn gleich in der heutigen Zeit subtiler. An Macht komme man grundlegend durch drei Strategien:

  1. Verbreitung von Panik und das gleichzeitiges Versprechen für Sicherheit zu sorgen. Beispiele der Neuzeit: Sauerer Regen, Neue Eiszeit, Waldsterben, Ozonloch, Rinderwahn und ganz neu und in ganz großem Stil: der menschengeachte Klimawandel. Die mit der Politik verklüngelte Energieindustrie freut sich rießig.
  2. Privilegien. Gewährung von Sondervorteilen für die machtstratigisch wichtige Klientel (Wähler) und das Versprechen vieles »umsonst« zur Verfügung zu stellen.
  3. Die Bedienung und Befriedigung von Neidgefühlen und Minderwertigkeitskomplexen, fürsorglicher Schutz von Minderheiten unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit, womit die hässliche Fratze des Neides eine edele Gesichtsmaske bekommt.

Zu allen drei Pukten fallen mir folgende Klischees ein: Punkt Eins ist der gutgläubige Bürger, der »kritische« Intellektuelle – schlicht, der Wähler egal welcher Couleur. Punkt Zwei umschreibt die Klientel einer Partei, insbesondere die der Grünen und/oder der FDP; gilt aber auch für jede andere Partei. Punkt Drei steht für die vereinigte Linke; mittlerweile ein Konglomerat von CDU bis hin zur Linkspartei.

All dieses Treiben aber muss mit unvorstellbar großen Summen finanziert werden. Und diese beschaffen sich die modernen Herrscher Mittels staatlicher Geldmonopole mit ungedecktem Papiergeld aus fast nie versiegender Quelle.

Geldschöpfung aus dem Nichts

Wie kommt man nun an die ganze Kohle ran? Einfach gesagt würde es ausreichen, die Notendruckpresse anzuwerfen. Ganz so einfach machen es sich unsere Geldschaffende aber dann doch nicht. Zunächst. Möglicherweise ist dies psychologisch begründet und in etwa so, als glaube der Hund, welcher seinem Schwanz nachjagt, ihn irgendwann zu erwischen.

Die Geldschöpfung aus dem Nichts entsteht mit dem Mechanismus des Fractional Reserve Banking, den ich Anfangs erklärt habe. Befugt dazu ist nur die Zentralbank. In deren Bilanz tauchen erschaffene Banknoten auf der Passivseite auf, Forderungen an die Schuldner auf der Aktivseite. Zu deutsch: Ich drucke einen 100-Euroschein aus und verleihe ihn jemanden als Kredit mit veanschlagten 10 % Zinsen. Da mich der Druck ja nichts als ein bisschen Papier und Tinte gekostet hat, wird auf meinem Konto eine Aktiva, also die Forderung an den Schuldner von 110 € ausgewiesen, mit welcher ich, noch ohne den Betrag erhalten zu haben, weiter hausieren gehen kann. So einfach ist das. Interessant wird es, wenn nun der Kreditnehmer seine 100 € ebenfalls weiter in den vergifteten Blutkreislauf, sei es als Einzahlung oder als weiteren Kredit mit einbringt. So entstehen aus 100 Euro Falschgeld bis, je nach Mindestreserve von 2 oder 10 %, das Vielfache an Geldmittel, welches eigentlich nur heiße Luft ist.

Somit haben Regierung und Politik Zugang zu unbegrenzten Geldmengen. Die Banken können ihr Ausleihvolumen also vervielfachen und dafür Zinsen kassieren – und die Bürger bezahlen den Spuk heimlich über Kaufkraftverlust – bis es irgendwann kracht. Im Grunde sind es nämlich bloß Schulden. Gäbe es keine Schulden, gäbe es auch kein Geld, jedenfalls im Papiergeldsystem.

Alle lieben sie es, das leichte Papiergeld. Niemand will mehr echtes, nur noch das »easy money«, ein jeder aus seinem ganz speziellen Grund: Die Politik, der Macht und des Machterhaltes wegen, die Banken der Zinseinnahmen wegen, die Geschäftsleute wegen der Kunden die sich als Bürger damit Wünsche in der Gegenwart erfüllen können, für die sie eigentlich hätten bis in die Zukunft sparen müssen. Die Zentralbanken lieben das »easy money« ebenso, weil sie einerseits die gesamte Volkswirtschaft kontrollieren können und im Umkehrschluss die Politik damit immer abhängiger machen. Hier schließt sich der Kreis.

Noch vorletzte Woche konnte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi eine weitere halbe Billion Euro »drucken« und den Not leidenden Banken zu besonderen Konditionen anbieten. Die EZB ist keine Bank, sie ist ein Kasino und Mario Draghi darf den Paten spielen.

Was wir für Geld halten, ist eine Illusion. Es sind Schulden.

Fortsetzung folgt.


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2 Antworten zu “Buchbesprechung Geldsozialismus – Teil 2: Geld, Macht und Schulden”

  1. […] zweiten Teil der Buchbesprechung beschrieb ich bloß das erste Kapitel. Wie es der Zufall nun will, lese ich gerade (mit allerlei […]

  2. […] Im einem nächsten Artikel oder weiteren Artikeln werde ich mich an dem ein oder anderen Kapitel des Buches abarbeiten. Das nächste Thema ist Geld, Macht und Schulden. […]

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