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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Künstlertruppe »DV8 Physical Theatre« zu Gast in Berlin: Can we talk about this?

Realität, Wahrnehmung & Diskurs

Realität, Wahrnehmung & Diskurs | siepmannH  / pixelio.de

Künstler, ob Theaterleute, Musiker oder Maler, alle stehen sie politisch fast ohne Ausnahme links. Dagegen ist nichts zu sagen, schließlich will Links ja in erster Linie einmal das Gute. Man ist für die Minderheiten, die Armen, die Umwelt, die Gleichberechtigung und hat nicht zuletzt eine gehörige Portion Täterverständnis. Man hat das Gute quasi gepachtet und sich somit das Paradis bereits auf Erden verdient. Man ist automatisch auf der richtigen Seite und nicht minder schnell geneigt, mit dem Finger auf andere zeigen. Was am Ende dabei heraus kommt, ist eine andere Sache, denn problematisch finde ich Links dann, wenn aus einerlei Gründen mit zweierlei Maß gemessen wird und man plötzlich Ideologien toleriert oder gar unterstützt, die man gesinnungsgemäß eigentlich bekämpfen müsste. Ein Paradoxon.

Es gibt, – nicht nur für Künstler, sondern für die mit Schuldkomplex behaftete westeuropäische Gesellschaft – gewisse Tabus, ja, eine Art Codex-Katalog. Manchmal geht es darum, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Manchmal stürzt sich nach links in den Tod um dem Ende auf der rechten Seite zu entgehen; dem vermeintlich kleineren Übel gibt man den Vorzug. Oft aber ist es einfach nur Bequemlichkeit und Verdrängung offen daliegender Tatsachen.

Außgerechnet eine Künstertruppe hat sich dessen nun angenommen und ist mit einem Programm unterwegs, welches diesen Tabus den Spiegel vorhält und den Codex zur Disposition stellt. Das Programm ist als Frage gestellt und lautet: Can we talk about this? und hat zurzeit in Berlin Deutschlandpremiere. Ein Paradigmenwechsel? Grund zur Hoffnung?

Mit dem Bühnenstück Can we talk about this? ist die Künstlervereinigung DV8, zu übersetzen mit »deviate« (von der Norm abweichen) auf Welttournee und gastiert momentan bei den Berliner Festspielen. Das Stück wird in englischer Originalsprache gegeben, mit deutschen Übertiteln. Die Thematik passt hervorragend zum 50sten Jahrestag des sog. Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei. Und blickt man in den deutschen Medienwald, so überschlagen sich Gazetten und Fernsehsender mit Lobhudeleien bezgl. der Einwanderer oder man übt vorauseilenden Gehorsam. Die ZEIT veröffentlichte gar vier volle Seiten dem Jubiläum. Tenor: Alles ist dufte und wenn es Probleme gibt, dann sind wir daran schuld. Kritische Hinterfragung? Fehlanzeige! Dass das ganze zum Himmel stinkt, erschließt sich bereits aus der Tatsache, dass man Gleiches für die zu uns gekommenen Italiener nicht thematisiert hat, bzw. es auch nicht musste.

Da die Künstlertruppe aus Großbritannien kommt, ist man dort den Deutschen einen demografischen Schritt voraus, da nicht zuletzt auf Grund der britischen Kolonialpolitik die Probleme entsprechend größer sind. Sowohl was den zeitlichen, als auch den quantitativen Rahmen betrifft.

Auf der Homepage der Berliner Festspiele liest man folgende Inhaltsbeschreibung des Theaterstückes:

Können wir über Themen wie Religion, Multikulturalismus und Rassismus offen sprechen? Die neue Produktion des DV8 Physical Theatre thematisiert Pressefreiheit, Zensur von Kunstwerken und Diskriminierung und untersucht den Einfluss von Ereignissen wie der Bücherverbrennung von Salman Rushdies Satanischen Versen, dem Mord an Theo van Gogh oder dem Streit über die Mohammed-Karikaturen auf multi-ethnische Politik. Wie das hochgelobte Vorgängerstück To Be Straight With You arbeitet auch diese dokumentarische Tanztheaterproduktion mit realen Interviews – unter anderem mit bekannten Schriftstellern, Lobbyisten und Politikern – sowie mit Archivmaterial, um die Tabuzonen unserer demokratischen Gesellschaften aufzuzeigen.
Lloyd Newson, seit 1986 künstlerischer Leiter des DV8 Physical Theatre, mit dem er bereits zum dritten Mal Gast von spielzeit’europa ist, hat für Can We Talk About This? erneut eine hochkarätige Crew von 11 Performern versammelt.

Das ist zuerst einmal alles andere als typisch links und dies nun von Seiten der Künstler zu vernehmen, ist eine Offenbarung. Es sind doch nicht alle bloß kleine Claus Peymanns. Ein Lichtblick, welcher Hoffnung auf eine längst überfällige Wende macht. Leider müsste man nach Berlin fahren um das Stück zu sehen, doch vielleicht erscheint es wie viele andere Inszenierungen der Truppe auch als Fernsehproduktion. Jedenfalls, schon mal nix für unseren aktuellen Berliner Buchautor* Klausi Wowi. Zitat Sarrazin, nach Lektüre des Buches: Peinlich!

Infos:


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