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Interview mit Roland Baader

Interview mit Roland Baader aus der Reihe »Streiflichter des Lebens«.

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Henryk M. Broder gibt Journalistenpreis des Deutschen Kulturrates zurück

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Welch ein Mann! Hut ab! Wenn Politiker und Journalisten Blogger auch nur halb so viel Mumm hätten wie Broder …

Zur Vorgeschichte: Thilo Sarrazin wurde letzte Woche aus Kreuzberg rausgemobbt. Es gab natürlich fast nur Zustimmung; so auch (indirekt) vom Geschäftsführer des Kulturrates, welcher Broder zuvor noch einen Journalistenpreis verliehen hat. Broder gab diesen nun in einem offenen Brief, wie gewohnt in KLARTEXT mit folgender Begründung zurück:

Sehr geehrter Herr Zimmermann,

vor etwas mehr als einem Monat hat der Kulturrat, dessen Geschäftsführer Sie sind, Journalistenpreise verliehen, darunter auch einen Preis an das Team der „Deutschland-Safari/Entweder Broder“.

In der Begründung hieß es: „Mit der fünfteiligen Serie werden ironisch Vorurteile über Muslime, Juden und Christen pointiert präsentiert. Die Jury hebt insbesondere hervor, dass neben den satirischen Überhöhungen der beiden Protagonisten Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad auch gesellschaftspolitische Fragen wie Integration, Religionszugehörigkeit und kulturelle Vielfalt in Deutschland thematisiert werden.“

Nun habe ich in der „Berliner Morgenpost“ gelesen, was Sie zu dem Besuch von Thilo Sarrazin in Kreuzberg gesagt haben: „Es ist wirklich mehr als peinlich, wenn ‚Aspekte‘, ein renommiertes Kulturmagazin, es offensichtlich nötig hat, einen solch vorhersehbaren Eklat zu inszenieren. Wer Thilo Sarrazin unter sichtbarer filmischer Beobachtung durch Berlin-Kreuzberg und Neukölln schickt, kalkuliert mit wütenden Reaktionen.“

Peinlich in diesem Zusammenhang ist nicht der Besuch Sarrazins in Kreuzberg und der Versuch des ZDF, das Ereignis zu dokumentieren, peinlich ist nur Ihre unsägliche Stellungnahme, mit der Sie sich auf die Seite des Pöbels stellen, der in Teilen von Kreuzberg mittlerweile das Sagen hat.

Selbst wenn Sarrazin und das ZDF vorgehabt hätten, einen Eklat zu inszenieren, so ist das in einer funktionierenden Demokratie, die nicht von Kulturräten verwaltet wird, ein legitimes Mittel, auf Umstände, Missstände und Zustände aufmerksam zu machen, deren Existenz gerne geleugnet wird.

Und es ist genau das, was Hamed Abdel-Samad und ich in unserer TV-Serie gemacht haben, als wir eine NPD-Versammlung, eine Runde ehemaliger Stasi-Funktionäre und eine Moschee in Duisburg besuchten. Dafür haben Sie uns einen Preis verliehen.

Im Lichte Ihrer Äußerungen zu Sarrazin finde ich nun, dass wir den Preis nicht verdient haben beziehungsweise dass Sie der falsche Preisgeber sind. Ihre Haltung ist antiaufklärerisch, paternalistisch und reaktionär, sie fördert die Einrichtung von No-go-Areas, die es in einer offenen Gesellschaft nicht geben darf.

Deswegen gebe ich den Preis, den Sie mir verliehen haben, mit sofortiger Wirkung zurück. Von weiteren Zumutungen Ihrerseits bitte ich abzusehen.

H. M. Broder, Manchester, 20. Juli 2011

Info:
Warum ich diesen Journalistenpreis zurüeckgebe


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4 Antworten zu “Henryk M. Broder gibt Journalistenpreis des Deutschen Kulturrates zurück”

  1. ... sagt:

    Ein sehr lesenswerter Artikel bzgl Sarrazin in Kreuzberg: http://www.zeit.de/2011/30/Sarrazin

    • Ja, einen Döner hätte Sarrazin sicherlich nicht veschmäht. Schade, dass der Artikel nicht darauf eingeht, mit welcher Initialzündung das »Hau-Ab« bei den Aleviten zustandegekommen ist. In den Reihen der Skandierer befanden sich nämlich zwei militante Scharfmacher aus der linken Randszene: Dirk Stegemann und Philipp Stein.

      Ebenfalls unerwähnt blieben Sarrazins Worte an die Gegner gerichtet (sinngemäß): »So schüren sie Vorurteile!«

      Ich empfehle Sarrazins Kommentar in der Welt am Sonntag.

      • ... sagt:

        Ja, da kann ich Ihnen nur Recht geben. Wie ich sehe, beziehen Sie ein Teil ihre Infos von der Seite „PI-NEWS.NET“. Als Freund des demokratischen Pluralismus, weiß ich diese auch zu schätzen. Mir rollen sich die Zehnägel hoch, wenn ich die Reaktionen der Kreuzberger auf Sarrazin sehe, aber genau so rollen mir sich die Zehnägel hoch, wenn ich diverse Artikel auf PI betrachte.
        Gerade wenn wir beim Thema „Vorurteile schüren“ sind, gerade DAS macht PI großteils. Klar werden sachlich Fakten über den Islam dargelegt. Auf der anderen seite werden allerdings auch Großflächig nahezu Verbal-Pogrome verantstaltet. Beispielsweise mit den Aleviten, vorher waren sie die „guten“ Moslems und nun sind ALLE Aleviten böse Moslems. Zwar steht das nicht explizit in den Artikeln, nur ist das Konnotat unübersehbar.

        • Ja, da gebe ich Ihnen recht. Das ist schade, und ein bisschen mehr Zurückhaltung würde der Seite nicht schaden. Auch das ein oder andere Banner schlägt über das Ziel hinaus. Aber man kann sich die Artikel ja kritisch herauspicken, sowie man es bei anderen Publikationen auch tun muss; und das betrifft nicht nur die taz und Konsortien.

          Was die Aleviten betrifft, so hat PI aber auch die offizielle Entschuldigung der Aleviten publiziert.

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